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Altenwohnhaus Sankt Josef

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Selm, 31. März 2011  

Das Ende einer Ära

Mit Robin Spigiel geht der letzte Zivildienstleistende im Altenwohnhaus St. Josef


Das Foto zeigt den Zivildienstleistenden Robin Spigiel bei der Reaparatur eines Duschkopfes.

SELM. Dass er das Ende einer Ära verkörpert, sieht man Robin Spigiel nicht an. Der letzte Zivildienstleistende im Altenwohnhaus St. Josef trägt Brille und ein rotes Käppi, die Ärmel seines karierten Hemdes hat er hochgekrempelt. Heute ist sein letzter Tag. Mittwochmorgen, kurz nach 11 Uhr: Der Duschkopf in Zimmer 209 tropft. Sofort ist Robin Spigiel mit Rohrzange und Ersatzteil zur Stelle. Ein paar Handgriffe, und alles ist wieder dicht. "Er ist eine große Hilfe und sich für keine Arbeit zu schade", lobt Hauswirtschaftsleiterin Monika Schöler den 20-Jährigen.
Regal-Aufbau. Neun Monate lang hat er im Technischen Dienst gearbeitet, war für alle Reparaturen vom Einschrauben der Glühbirnen bis zum Regal-Aufbau zuständig. Er habe viel fürs Leben gelernt: "Das erste selbst gestrichene. Zimmer war ein Erlebnis", erinnert er sich. Morgens um viertel nach sieben begann sein Dienst, er kümmerte sich unter Anleitung seines Vorgesetzten Heinz Voßschmidt auch um die Verteilung der Essenswagen auf den Stationen. Bis zu zwölf Zivildienstleistende waren in den vergangenen Jahren gleichzeitig im Altenwohnhaus im Einsatz. Davon arbeiteten durchschnittlich zehn junge Männer in der Pflege. Sie begleiteten die alten Menschen außerdem zum Arzt, zu Marktbesuchen, gingen mit ihnen spazieren. Durch den' Wegfall des Wehr- und demnach auch des Zivildienstes zum 1. Juli 2011 werden dem Heim, in dem 120 Bewohner von etwa 80 Mitarbeitern betreut werden, diese Arbeitskräfte jetzt empfindlich fehlen.

Heimleiter Ulrich Kuhlmann blickt mit Sorge in die Zukunft (RN-Foto)

Viel Umstellung. "Das bedeutet für uns viel Umstellung und Neuorganisation", betont Heimleiter Ulrich Kuhlmann. Gleichzeitig wolle die Einrichtung keine Leistungen und Angebote für die Bewohner kürzen. "Bis wir Nachschub aus dem Bundesfreiwilligendienst bekommen, müssen wir den Verlust der Zivis irgendwie kompensieren", so Kuhlmann. Seinem Haus ginge es noch vergleichsweise gut, da es über einen großen Stamm von ehren amtlichen Mitarbeitern verfüge. ,,Aber denen kann man ja nicht alles aufbürden." Neben ihrer Tatkraft schätzte Kuhlmann die Zivis auch für ihre Unbefangenheit. "Sie haben frischen Wind hereingebracht, hatten wenig Berührungsängste". Die Bewohner seien ihrerseits ohne Scheu auf die Zivis zugegangen. "Ich hatte anfangs Rastazöpfe", erzählt Robin Spigiel. "Da wurde ich schon mal gefragt, bist du ein Junge oder ein Mädchen?" Für Robin Spigiel, der ab Oktober Deutsch und Philosophie auf Lehramt studieren möchte, waren die neun Monate eine wertvolle Erfahrung, die er nicht missen will: "Ich habe mehr Respekt vor dem Alter und weniger Angst vor dem Tod." (Ilka Bärwald)

Das Foto zeigt den Zivildienstleistenden Robin Spigiel im Haustechnik-Büro.

Der Zivildienstleistende Robin Spiegel schiebt einen Rollstuhl.

Ob ein Duschkopf tropfte oder irgendwo ein Rollstuhl gebraucht wurde: Zivildienstleistender Robin Spigiel war in den vergangenen neun Monaten der Mann für alle Fälle im Altenwohnhaus Sankt Josef. Mit seinem Abschied endet eine Ära. (RN-Fotos Bärwald)

 

Bei den Ruhr-Nachrichten  im Internet: Video Interview mit RobinSpigiel und Ulrich Kuhlmann (www.RuhrNachrichten.de/selm )
Quelle: Ruhr-Nachrichten

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