Altenwohnhaus Sankt Josef
Overbergweg 19
59379 Selm
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Das Ende einer Ära
Mit Robin Spigiel geht der letzte Zivildienstleistende im Altenwohnhaus St. Josef

SELM. Dass er das Ende einer Ära verkörpert, sieht man Robin Spigiel nicht an. Der letzte Zivildienstleistende im Altenwohnhaus
St. Josef trägt Brille und ein rotes Käppi, die Ärmel seines karierten Hemdes hat er hochgekrempelt. Heute ist sein letzter
Tag. Mittwochmorgen, kurz nach 11 Uhr: Der Duschkopf in Zimmer 209 tropft. Sofort ist Robin Spigiel mit Rohrzange und Ersatzteil
zur Stelle. Ein paar Handgriffe, und alles ist wieder dicht. "Er ist eine große Hilfe und sich für keine Arbeit zu schade",
lobt Hauswirtschaftsleiterin Monika Schöler den 20-Jährigen.
Regal-Aufbau. Neun Monate lang hat er im Technischen Dienst gearbeitet, war für alle Reparaturen vom Einschrauben der Glühbirnen bis zum
Regal-Aufbau zuständig. Er habe viel fürs Leben gelernt: "Das erste selbst gestrichene. Zimmer war ein Erlebnis", erinnert
er sich. Morgens um viertel nach sieben begann sein Dienst, er kümmerte sich unter Anleitung seines Vorgesetzten Heinz Voßschmidt
auch um die Verteilung der Essenswagen auf den Stationen. Bis zu zwölf Zivildienstleistende waren in den vergangenen Jahren
gleichzeitig im Altenwohnhaus im Einsatz. Davon arbeiteten durchschnittlich zehn junge Männer in der Pflege. Sie begleiteten
die alten Menschen außerdem zum Arzt, zu Marktbesuchen, gingen mit ihnen spazieren. Durch den' Wegfall des Wehr- und demnach
auch des Zivildienstes zum 1. Juli 2011 werden dem Heim, in dem 120 Bewohner von etwa 80 Mitarbeitern betreut werden, diese
Arbeitskräfte jetzt empfindlich fehlen.

Viel Umstellung. "Das bedeutet für uns viel Umstellung und Neuorganisation", betont Heimleiter Ulrich Kuhlmann. Gleichzeitig wolle die Einrichtung
keine Leistungen und Angebote für die Bewohner kürzen. "Bis wir Nachschub aus dem Bundesfreiwilligendienst bekommen, müssen
wir den Verlust der Zivis irgendwie kompensieren", so Kuhlmann. Seinem Haus ginge es noch vergleichsweise gut, da es über
einen großen Stamm von ehren amtlichen Mitarbeitern verfüge. ,,Aber denen kann man ja nicht alles aufbürden." Neben ihrer
Tatkraft schätzte Kuhlmann die Zivis auch für ihre Unbefangenheit. "Sie haben frischen Wind hereingebracht, hatten wenig Berührungsängste".
Die Bewohner seien ihrerseits ohne Scheu auf die Zivis zugegangen. "Ich hatte anfangs Rastazöpfe", erzählt Robin Spigiel.
"Da wurde ich schon mal gefragt, bist du ein Junge oder ein Mädchen?" Für Robin Spigiel, der ab Oktober Deutsch und Philosophie
auf Lehramt studieren möchte, waren die neun Monate eine wertvolle Erfahrung, die er nicht missen will: "Ich habe mehr Respekt
vor dem Alter und weniger Angst vor dem Tod." (Ilka Bärwald)


Bei den Ruhr-Nachrichten im Internet: Video Interview mit RobinSpigiel und Ulrich Kuhlmann (www.RuhrNachrichten.de/selm )
Quelle: Ruhr-Nachrichten
