Altenwohnhaus Sankt Josef
Overbergweg 19
59379 Selm
Telefon: 02592 9130-0
Fax: 02592 9130-59
E-Mail: kuhlmann@caritas-luenen.de
Selmern wurde nichts geschenkt
Ausstellungseröffnung im Altenwohnhaus St. Josef

Selm. Von harter Arbeit, Hungersnot aber auch Siedlungsbau und organisierten Freizeitbeschäftigungen erzählen die alten Fotos
und Radierungen. Bis Ende März ist im Altenwohnhaus St. Josef die Aus-stellung zum Thema „Uns wurde nichts geschenkt“ zu sehen.
Es handelt sich dabei um Fotos, Zeitungs-berichte und Exponate von und über die Zeche Hermann aus dem gleichnamigen Buch von
Rita Weißenberg. Zeitzeugen befragt. Dafür hatte die Autorin in den 1980er Jahren zusammen mit Augustin Upmann noch lebende Zeitzeugen befragt und konnte somit
einen wichtigen Teil Selmer Geschichte in Erinnerung halten. VHSLeiter Michael Reckers gab einen geschichtlichen Überblick
über diese Gründerzeit, die mit einer blühenden Konjunktur begann und mit einer hohen Arbeitslosenzahl endete.
Mit dem Bau der Zeche Hermann wurde 1906 begonnen, bereits 20 Jahre später wurde sie wieder geschlossen. Doch diese kurze
Zeit gilt als „Epoche, die Selm am meisten geprägt hat“, so Reckers. Auswirkungen sind noch bis heute spürbar. So wären die
Overberg und Lutherschule ohne Zeche nie entstanden. Auch St. Ludger und St. Josef würden im Stadtbild fehlen. Denn zu Beginn
der Industrialisierung war Selm ein verschlafenes Nest mit rund 1500 Einwohnern, das vorwiegend von Landwirtschaft geprägt
war. Plötzlich schnellte der Einwohnerpegel auf über 10 000 Einwohner herauf.
Eine entsprechende Infrastruktur musste also schnell geschaffen werden. Es entstanden die Hermannsiedlung und die Zechensiedlung
in Selm Beifang mit mehr als 500 Häusern. Auch der Verwaltungsbau in Bork stammt aus dieser Zeit. Das alles geschah nicht
ohne Zwischenfälle, denn die Lebensart der Alteingesessenen im Dorf und die der neu hinzugezogenen in Beifang waren sehr verschieden.
Schlechter Ruf. Nachdem die Zeche schloss, standen mehr als 3000 Menschen „auf der Straße“. Manche von ihnen versuchten, durch
kriminelle Taten zu überleben. „Aus dieser Zeit stammt der schlechte Ruf Selms“, sagte Reckers. „Heute kämpfen wir gegen dieses
Image.“ Wohnhausleiter Ulrich Kuhlmann und Bürgermeister Mario Löhr sind sich einig: „Für alle Bewohner, Gäste und Besucher
des Altenwohnhauses stellt diese Ausstellung eine gute Gelegenheit dar, sich mit der Historie Selms zu befassen.“
Quelle: Ruhr-Nachrichten
